Bosch und Wasserstoff: kein Ausstieg bei Fahrzeugen, aber die Bremse angezogen
← Zurück zu den News
Sonstiges #Bosch

Bosch und Wasserstoff: kein Ausstieg bei Fahrzeugen, aber die Bremse angezogen

Veröffentlicht am 18-07-2026

Zieht sich Bosch aus dem Thema Wasserstoff für Fahrzeuge zurück? Diesen Eindruck erwecken eine Reihe von Meldungen über Stellenabbau und aufgeschobene Investitionen. Die Wirklichkeit ist differenzierter. Bosch fährt seine Wasserstoffambitionen im Fahrzeugbereich zurück, weil der Markt langsamer in Gang kommt als erwartet – die Technik wird aber nicht eingestellt. Vielmehr verteilt das Unternehmen seine Karten: weniger Gewicht auf der Brennstoffzelle, mehr auf der Wasserstoffproduktion per Elektrolyse, und daneben ein quicklebendiger Wasserstoff-Verbrennungsmotor.


Die Signale, die nach einem Rückzug aussehen

In kurzer Zeit häuften sich die Meldungen. Im März 2025 legte Bosch eine geplante Investition von 200 Millionen Dollar in die Brennstoffzellenfertigung in den Vereinigten Staaten auf Eis. Im September 2025 kündigte der Konzern an, bis 2030 weltweit bis zu 13.000 Stellen zu streichen, vor allem in den Bereichen Power Solutions und Electrified Motion – genau dort, wo die Wasserstofftechnik angesiedelt ist. Anfang 2026 folgte ein Abbau von rund 200 Stellen in der Brennstoffzellensparte in China. Alles zusammen deutliche Einschnitte.


Warum gebremst wird

Der rote Faden in den Erklärungen von Bosch ist der Markt, nicht die Technik. Das Unternehmen verweist auf eine zu geringe Nachfrage und auf eine erhebliche Verzögerung beim Hochlauf des Wasserstoffmarktes in Europa, unter anderem wegen des fehlenden klaren regulatorischen Rahmens. Eine schmerzhafte Illustration lieferte ein wichtiger Kunde: Der amerikanische Wasserstoff-Lkw-Hersteller Nikola, der Bosch-Brennstoffzellen einsetzte, meldete im Februar 2025 Insolvenz an. Ohne ausreichend Fahrzeuge auf der Straße und ohne dichtes Tankstellennetz bleibt die Nachfrage nach Komponenten aus.


Die Zahlen, ehrlich gesagt

Harte, separate Umsatz- und Marktanteilszahlen für die Wasserstoff-Fahrzeugsparte von Bosch gibt es nicht: Bosch weist sie in den Jahreszahlen nicht gesondert aus, und der Anteil von Wasserstofffahrzeugen am gesamten Automarkt ist ohnehin noch sehr klein. Was bekannt ist, gibt aber eine Richtung vor. Bosch peilte für 2030 rund 5 Milliarden Euro Umsatz mit Wasserstofftechnik an. Die Restrukturierung von 2025 soll eine Kostenlücke von 2,5 Milliarden Euro schließen. Beide Zahlen zusammen zeichnen das Bild: ein großes versprochenes Potenzial auf lange Sicht, kurzfristig aber zu wenig Nachfrage, um die entstandenen Kosten zu tragen.


Elektrolyse ist eine Schwerpunktverlagerung, kein Ersatz

Viele Schlagzeilen meldeten, Bosch gebe die Brennstoffzelle auf und steige auf Elektrolyse um. Das stimmt nur teilweise. Diese Entscheidung betraf stationäre Festoxid-Brennstoffzellen (SOFC) zur Energieerzeugung, nicht die Brennstoffzelle im Fahrzeug. Bei der stationären Sparte steigt Bosch tatsächlich aus und konzentriert sich auf Elektrolyse-Stacks, mit denen Wasserstoff erzeugt wird. Für Fahrzeuge gilt etwas anderes: Dort wird heruntergefahren, nicht gestoppt.


Warum dann Elektrolyse?

Wenn die Nachfrage nach Brennstoffzellen hinter den Erwartungen bleibt – warum setzt Bosch dann gerade auf Elektrolyse? Weil das Wachstum dort kurzfristig deutlicher absehbar ist. Elektrolyse erzeugt Wasserstoff: Anlagen spalten mit (vorzugsweise grünem) Strom Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Bosch erwartet, dass die weltweite Elektrolysekapazität bis 2030 auf rund 170.000 Megawatt steigt, bei einem Markt für Elektrolysesysteme, der auf bis zu 37 Milliarden Euro zugehen kann. Dort will Bosch ein zentraler Lieferant von PEM-Stacks werden, dem Herzstück einer solchen Anlage. Kurz gesagt: Statt Wasserstoff zu verbrauchen, verdient Bosch lieber am Herstellen. Dass sich die stationäre SOFC-Sparte als teuer erwies und es kein klares Geschäftsmodell gab, um Wasserstoff wieder in Strom umzuwandeln, hat diese Entscheidung beschleunigt.


Und trotzdem der Verbrennungsmotor: ein Blick nach Le Mans

Während die Brennstoffzelle auf Sparflamme läuft, passiert auf der anderen Seite der Wasserstoffgeschichte etwas Bemerkenswertes. Bosch Engineering hat gemeinsam mit Maserati den Nettuno-V6-Motor zu einem Wasserstoff-Verbrennungsmotor umgebaut, der in diesem Jahr im Ligier JS2 RH2 in Le Mans vorgeführt wurde. Das zeigt, dass Bosch den Wasserstoffmotor ernst nimmt – gerade für Anwendungen mit hoher Leistung und dort, wo batterieelektrisch schwierig ist. Auch für Lkw und Baumaschinen entwickelt Bosch Injektoren für Wasserstoffmotoren, mit einer für 2026 geplanten Markteinführung.


Setzt Bosch also auf Verbrennungsmotoren?

Heißt das, dass Bosch jetzt voll auf den Verbrennungsmotor setzt? So schwarz-weiß ist es nicht. Bosch behält bewusst mehrere Wasserstoffkarten in der Hand: die Produktion (Elektrolyse), die Brennstoffzelle (heruntergefahren, aber nicht weg) und den Verbrennungsmotor (quicklebendig als paralleler Weg). Eine Renndemonstration in Le Mans ist vor allem ein Schaufenster für das Machbare; ein Beweis für Serienproduktion ist sie noch nicht. Aber sie unterstreicht, dass Bosch Wasserstoff breit angeht und nicht auf eine einzige Technik setzen will.


Was bedeutet das?

Für die Wasserstoffmobilität ist das eine realistische Zwischenmeldung: Bosch verteilt seine Karten und passt sein Tempo der Nachfrage an. Das ist kein Schlussstrich unter Wasserstoff, sondern ein Zeichen dafür, dass Technik, Tankinfrastruktur und Politik im Gleichschritt laufen müssen. Wasserstoff bleibt neben batterieelektrisch ein ernsthafter Weg zu sauberem Verkehr, gerade für den schweren Einsatz und lange Strecken – ob über die Brennstoffzelle oder über den Verbrennungsmotor. Wir bei H2Rijders verfolgen, wie sich das entwickelt, und halten unsere Leser ehrlich auf dem Laufenden, auch wenn die Nachrichten mal weniger erfreulich sind.


Quellen

  • FleetOwner – „Bosch remains committed to hydrogen fuel for trucking" (7. Januar 2025)
  • Hydrogen Fuel News – „From Engines to Electrolyzers: Bosch's Bold Hydrogen Vision" (8. Januar 2025)
  • Bayern Innovativ – „Bosch relies on electrolysis instead of fuel cells" (21. Januar 2025)
  • Renewables Now – „Bosch abandons fuel cells, shifts hydrogen focus to electrolysers" (21. Februar 2025)
  • CNN Business – „Nikola files for Chapter 11 bankruptcy" (19. Februar 2025)
  • Fuel Cells Works – „Bosch Pauses $200M Hydrogen Fuel Cell Plan in US" (3. März 2025)
  • WardsAuto – „Bosch cuts 13,000 jobs citing tariffs, competition and hydrogen stall" (26. September 2025)
  • Fuel Cells Works – „Bosch Slashes Workforce After Hydrogen and EV Bets Struggle" (30. September 2025)
  • Fuel Cells Works – „Bosch China Cuts Nearly 200 Hydrogen Fuel Cell Jobs" (23. Februar 2026)
  • Bosch Media Service / Fuel Cells Works – „Le Mans: Bosch and Maserati define the hydrogen-powered future of racing" (28. Mai 2026)
  • CleanTechnica – „Bosch's Real Hydrogen Mistake Was Strategic, Not Financial" (9. Juli 2026)
Teilen: