Britische Wasserstoffpreise im Überblick: von heute 10 Pfund pro Kilo auf 6 Pfund im Jahr 2030 – aber nur am richtigen Ort
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Britische Wasserstoffpreise im Überblick: von heute 10 Pfund pro Kilo auf 6 Pfund im Jahr 2030 – aber nur am richtigen Ort

Veröffentlicht am 19-06-2026

Wasserstoff-Analyst Tim Harper, unter anderem Gründer von Element 2, hat ein detailliertes Preismodell für den britischen Wasserstoffmarkt von 2026 bis 2035 veröffentlicht. Die Kernbotschaft: Den einen Wasserstoffpreis gibt es nicht. Wo du tankst, wie viel du tankst und welchen Vertrag du hast, macht mehr aus als die Produktionskosten des Wasserstoffs selbst.


Vier Preisebenen, nicht eine


Harper unterscheidet vier Ebenen, die in der öffentlichen Debatte viel zu oft durcheinandergehen: den Preis ab Werk, den gelieferten Preis, den getankten Preis und den effektiven Preis nach Subventionen und Zertifikaten. Für 2026 schätzt das Modell den getankten Depotpreis auf 9,50 bis 10,50 Pfund pro Kilo. Der effektive Preis für Flotten, die für Zertifikate (RTFCs) infrage kommen, kann bei 8,00 bis 9,50 Pfund pro Kilo liegen.


Preiserwartung 2030: Es kommt darauf an


Für 2030 sieht das Modell eine breite Streuung vor. Die besten Captive-Cluster – etwa Busdepots, Häfen oder Müllfahrzeugflotten mit hoher Auslastung und kurzen Lieferwegen – können bei 5,50 bis 6,50 Pfund pro Kilo getankt landen. Vertraglich gebundene Depotflotten kommen auf 7,00 bis 7,80 Pfund. Öffentliche Korridor-Tankstellen, die mit unsicherer Nachfrage und höheren Investitionsrisiken zu kämpfen haben, bleiben bei 8 bis 10 Pfund pro Kilo. Abgelegene Standorte oder solche mit geringem Volumen liegen über 10 Pfund.


Bis 2035 sieht das Basisszenario einen getankten Depotpreis von 5,60 bis 6,30 Pfund pro Kilo vor, mit einem effektiven Kundenpreis von 4,60 bis 5,70 Pfund.


Auslastung der Tankstelle: die verborgene Variable


Eine der stärksten Erkenntnisse aus dem Modell ist die Wirkung der Stationsauslastung. Bei 20 Prozent Auslastung betragen allein die Fixkosten (Kapital und Wartung) mehr als 7 Pfund pro Kilo – noch bevor überhaupt Wasserstoff eingekauft wurde. Bei 80 Prozent sinkt das auf weniger als 2 Pfund. Der Unterschied zwischen einer rentablen und einer defizitären Tankstelle liegt nicht im Wasserstoffpreis, sondern in der Zahl der Kilos, die täglich über die Theke gehen.


Das erklärt auch, warum Busse, Müllfahrzeuge und Hafenflotten die ersten Anwender sind: Eine relativ kleine Zahl intensiv genutzter Fahrzeuge kann bereits genug Durchsatz erzeugen, um eine Tankstelle rentabel zu machen. Eine öffentliche Tankstelle braucht einen deutlich größeren Fahrzeugbestand, bevor die Auslastung bankfähig wird.


Britische Förderpolitik: HAR1 und RTFCs


Der britische Förderrahmen besteht aus zwei Säulen. Die Hydrogen Allocation Rounds (HAR) unterstützen die Produktionsseite: HAR1 hat elf Projekte mit 125 MW Kapazität unter Vertrag genommen, bei einem gewichteten durchschnittlichen Strike Price von rund 9,50 Pfund pro Kilo. Bei HAR2 stehen 27 Projekte auf der Shortlist, mit bis zu 875 MW Kapazität. HAR3 und HAR4 sind für 2026 und 2028 geplant.


Auf der Nachfrageseite spielen Renewable Transport Fuel Certificates (RTFCs) eine Rolle. Qualifizierter erneuerbarer Wasserstoff im Verkehr erzeugt 9,16 Zertifikate pro Kilo. Bei vollständiger Weitergabe ergibt das theoretisch bis zu 7,33 Pfund pro Kilo. In der Praxis schätzt Harper den Vorteil für Flotten auf 0,75 bis 1,25 Pfund pro Kilo, weil Lieferanten und Aggregatoren einen Teil des Werts einbehalten.


Dieselparität je nach Anwendung


Harper berechnet auch, bei welchem Wasserstoffpreis Gleichwertigkeit mit Diesel entsteht. Müllfahrzeuge erreichen Kraftstoffparität wegen ihres hohen Dieselverbrauchs schon bei 10,69 Pfund pro Kilo. Stadtbusse bei 8,30 Pfund. Regionale Lkw bei 6,69 Pfund und Fernverkehrs-Lkw bei 6,66 Pfund. Baumaschinen erst bei 5,13 Pfund pro Kilo.


Dabei handelt es sich rein um Kraftstoffkosten – die Gesamtbetriebskosten (TCO) hängen auch vom Fahrzeugaufpreis, der Finanzierung, der Wartung, dem Restwert und dem Infrastrukturzugang ab.


Die Lehre für Europa


Die Analyse bestätigt ein Muster, das wir auch in Deutschland und den Niederlanden sehen: Wasserstoff wird nicht über einen einzigen nationalen Preispunkt günstig. Er wird bezahlbar in lokalen Ökosystemen, in denen Produktion, Logistik, Tankinfrastruktur und Flottennachfrage zusammenkommen. Wer auf einen landesweiten Preis von 6 Pfund pro Kilo wartet, wartet zu lange. Wer jetzt ein Depotcluster mit vertraglich gesicherter Nachfrage aufbaut, kann diesen Preis früher erreichen, als es der Landesdurchschnitt vermuten lässt.


Quellen

  • Tim Harper, 10. Juni 2026 — UK Hydrogen Pricing: The Definitive 2026-2035 Guide for Fleets, Infrastructure and Investors
  • DESNZ — Hydrogen Allocation Rounds (GOV.UK)
  • Hydrogen UK, Juli 2025 — HAR1 contract signings
  • S&P Global Commodity Insights, Dezember 2024 — UK offers first green hydrogen production contracts
  • CMS Law, März 2026 — UK hydrogen sector updates: hydrogen production
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