Lkw-Maut ab 1. Juli: Diesel-Lkw zahlt sechsmal mehr pro Kilometer als ein Wasserstoff-Lkw
Zwei Tarifwelten ab dem 1. Juli 2026
Am 1. Juli 2026 tritt die niederländische Lkw-Maut in Kraft. Alle Lkw über 3.500 kg zahlen ab dann pro gefahrenem Kilometer auf nahezu allen Autobahnen und einem Teil des Provinzstraßennetzes. Der Tarif richtet sich nach Gewichtsklasse und CO2-Emissionsklasse.
Die Zahlen sind konkret. Ein herkömmlicher Diesel-Lkw zahlt durchschnittlich 19,1 Cent pro Kilometer. Ein emissionsfreier Lkw – vollelektrisch oder mit Wasserstoff – fällt in die niedrigste CO2-Klasse (Klasse 5) und zahlt 3,3 Cent pro Kilometer. Das ist ein Unterschied um den Faktor sechs. Bei einem Lkw, der täglich 500 Kilometer fährt, macht das gegenüber einem Diesel-Pendant gut 780 Euro pro Monat aus.
Die Maut ersetzt die Eurovignette und die Kraftfahrzeugsteuer für Lkw bis 12 Tonnen. Die Einnahmen fließen größtenteils an den Transportsektor zurück: Im Mehrjahresprogramm zur Rückführung sind 1,6 Milliarden Euro für Nachhaltigkeitsmaßnahmen vorgesehen, unter anderem über die Anschaffungsförderung für emissionsfreie Lkw (AanZET) und die Förderregelung Wasserstoff in der Mobilität (SWIM).
ERE-Systematik senkt den Netto-Wasserstoffpreis
Neben der Lkw-Maut gilt seit dem 1. Januar 2026 die neue ERE-Systematik. ERE steht für Emissionsreduktionseinheit – das neue niederländische Instrument, das die alte volumenbasierte Beimischungsverpflichtung für Kraftstofflieferanten ersetzt. Konnten Lieferanten früher günstige Massen-Biokraftstoffe einsetzen, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen, misst das neue System den genauen CO2-Fußabdruck jedes Kraftstoffs von der Quelle bis zum Rad.
Das macht die Compliance für Dieselanbieter teurer, und diese Kosten werden an den Endverbraucher weitergegeben. Gleichzeitig generieren Fahrzeuge mit grünem Wasserstoff ERE-Credits, da sie kein CO2 ausstoßen. Diese Credits sind handelbar: Anbieter fossiler Kraftstoffe müssen sie aufkaufen. Die Folge ist, dass der Nettopreis für grünen Wasserstoff an der Zapfsäule niedriger ausfällt, als der reine Produktionspreis vermuten lässt.
Keine Umstellung von heute auf morgen
Das ist kein Plädoyer für eine sofortige Umstellung der gesamten Flotte. Die Anschaffungskosten von Wasserstoff-Lkw liegen höher als die von Dieselfahrzeugen, und die Tankinfrastruktur in den Niederlanden befindet sich noch im Aufbau. Zudem gilt von September bis Dezember 2026 ein vorübergehender Rabatt von 22,3 % auf die Lkw-Maut, den die Regierung wegen der gestiegenen Kraftstoffpreise infolge geopolitischer Spannungen eingeführt hat.
Doch die politische Richtung ist eindeutig. 2027 kommt das europäische ETS2-System hinzu, mit dem die CO2-Emissionen aus der Kraftstoffverbrennung direkt besteuert werden. Emissionsfreie Zonen in niederländischen Städten werden ausgeweitet. Die Lkw-Maut steigt jährlich mit der Inflation.
Für Flottenmanager, die jetzt über Ersatzinvestitionen nachdenken, sind das keine abstrakten Zukunftsszenarien. Es sind konkrete Kostenpositionen, die bereits ab dem 1. Juli in der Betriebsrechnung auftauchen.
Quellen:
- Rijksoverheid / vrachtwagenheffing.nl – offizielle Tarife 2026
- BOVAG – Dossier Lkw-Maut (Mai 2026)
- evofenedex – Lkw-Maut ab dem 1. Juli 2026
- TLN – CO2-Klassen und Tarife
- Vrachtwagenheffingsbeleid.nl – Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft (IenW)