Wasserstoffmobilität fährt weiter, während Brüssel die Regeln vertagt
Europa will voll auf Wasserstoff setzen, doch die Regulierung hinkt dieser Ambition hinterher. Die Europäische Kommission zog die Überarbeitung der RFNBO-Regeln — der Kriterien für grünen Wasserstoff — vor, die entscheidenden Anpassungen kommen aber erst im Herbst 2026. Bis dahin liegen viele große industrielle Wasserstoffprojekte praktisch still, weil Investoren auf Klarheit warten.
Es gibt jedoch ein Segment, das nicht auf die perfekte europäische Gesamtlösung warten muss: die Mobilität. Das argumentiert Horst Broich, Vertriebs- und Marketingspezialist bei Trenga, in einem vielbeachteten Beitrag auf LinkedIn. Wasserstoffmobilität funktioniert seiner Ansicht nach schon heute bemerkenswert gut.
Warum die Mobilität jetzt schon starten kann
Während großangelegte Industrieprojekte von Subventionen und noch unsicheren Spielregeln abhängen, steht die Mobilität praktischer da. Die Fahrzeuge sind vorhanden, die Tankstellen lassen sich bauen und die Risiken sind überschaubar. Broich nennt unter anderem:
- realistische Produktionskosten und von Natur aus einen Preisboden;
- verfügbare Fahrzeuge für den schweren und professionellen Einsatz, etwa Lkw, Busse und Fuhrparks;
- Tankstellen, die sich mit bewährter Technik bauen lassen;
- schnelle Skalierbarkeit, Schritt für Schritt.
Ein klarer Betankungsstandard
Entscheidend ist ein stabiler Betankungsstandard. In Europa ist dieser weitgehend durch die AFIR-Regeln festgelegt: entlang des TEN-V-Kernnetzes muss spätestens Ende 2030 alle 200 Kilometer eine Wasserstofftankstelle stehen, mit mindestens einem 700-bar-Zapfpunkt und einer Kapazität von rund tausend Kilogramm pro Tag. Daneben arbeiten Hersteller an ergänzenden Wegen für den Schwerlastverkehr, etwa der sLH2-Technik für tiefkalten flüssigen Wasserstoff, die Daimler Truck und Linde für eine schnelle und einfache Betankung entwickelt haben.
Drei Bausteine für den gesamten Markt
Damit nicht nur die Mobilität, sondern der gesamte Wasserstoffmarkt in Schwung kommt, braucht es laut Broich drei Dinge:
- klare und praktikable RFNBO-Regeln;
- Übergangsregelungen für die Vorreiter, die heute schon investieren;
- Mindestpreise oder Contracts for Difference (CfDs), um Projekte finanzierbar zu machen.
Wir sehen in diesem Plädoyer vor allem eine hoffnungsvolle Botschaft. Neben dem batterieelektrischen Fahren ist Wasserstoff eine emissionsfreie Lösung, die sich gerade im schweren und intensiven Verkehr schon jetzt beweisen kann — sofern die Politik den Vorreitern den Raum gibt, weiterzufahren.
Quellen
- Horst Broich, LinkedIn (Juli 2026)
- Hydrogen Insight — EU review of RFNBO Delegated Act delayed until autumn
- Fuel Cells Works — EU pushes green hydrogen rules review to autumn
- European Hydrogen Observatory — Alternative Fuels Infrastructure Regulation (AFIR)
- Daimler Truck und Linde — sLH2-Tanktechnologie für flüssigen Wasserstoff