Belgien sucht nach weißem Wasserstoff im eigenen Boden
Nach der spektakulären Entdeckung eines großen natürlichen Wasserstofffeldes im französischen Moselgebiet startet nun auch Belgien eigene Untersuchungen. Die Föderalregierung hat 1,5 Millionen Euro für ein nationales Explorationsprojekt bereitgestellt. Der Belgische Geologische Dienst soll den Untergrund kartieren. Eine erste Bewertung wird innerhalb von zwei Jahren erwartet. Je nach Ergebnis können weitere 2,7 Millionen Euro hinzukommen. Die Mittel stammen aus dem europäischen Emissionshandelssystem (ETS).
Anlass ist eine Bohrung in Pontpierre im Moselgebiet in über 3.600 Metern Tiefe. Sie bestätigte ein großes Vorkommen natürlichen Wasserstoffs im französischen Untergrund. Schätzungen sprechen von mindestens 34 Millionen Tonnen – das entspricht etwa 14 Jahren belgischem Stromverbrauch. Da das belgische Lothringen in derselben geologischen Kontinuität liegt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich dieses Feld über die Grenze hinaus erstreckt. Auch Luxemburg und Deutschland könnten betroffen sein.
„Vor zehn Monaten sprach man mit mir über weißen Wasserstoff, als wäre er ein Trugbild. Heute ist er eine strategische Chance, die wir mit Vorsicht, aber auch mit Methode und Ambition erkunden müssen." — Jean-Luc Crucke, föderaler Minister für Mobilität und Klima
Natürlicher Wasserstoff – auch weißer oder nativer Wasserstoff genannt – muss nicht erst hergestellt werden. Er lagert von Natur aus im Untergrund, was die Produktionskosten im Vergleich zu grünem oder blauem Wasserstoff deutlich senken kann. Minister Crucke nennt ihn ausdrücklich einen möglichen Game Changer für die Industrie und die Energieautonomie Europas.
Crucke reist demnächst nach Frankreich, um Kontakt zur Française de l'Energie (FDE), dem Unternehmen hinter den Bohrungen, und zu den französischen Behörden aufzunehmen. Eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Belgien, Frankreich, Luxemburg und Deutschland ist durchaus denkbar.
Vorsicht bleibt geboten. Ob tatsächlich förderbare Wasserstoffmengen unter belgischem Boden liegen, ist noch ungewiss. Aber zum ersten Mal wird es ernsthaft untersucht.