Wasserstoffmotor im Motorsport: Die Technologie reift auf der Rennstrecke
Le Mans als Labor. Das ist in einem Satz die Essenz dessen, was derzeit in der Welt des Wasserstoff-Verbrennungsmotors geschieht. Bei einem technischen Studientag, organisiert von der Société des Ingénieurs de l'Automobile (SIA) in Zusammenarbeit mit der Université d'Orléans, präsentierten führende Akteure aus Motorsport und Automobilindustrie ihre neuesten Fortschritte.
Der Alpine Alpenglow und der Ligier JSR RH2 stehen dabei im Mittelpunkt. Beide Fahrzeuge haben bereits beachtliche Kilometer auf dem Circuit de la Sarthe zurückgelegt und dienen als ultimative Testplattform für Hochleistungs-Wasserstoffmotoren. Der Zulieferer Phinia (ehemals Borgwarner) stellte seine Injektorenentwicklung vor, die auch im Foenix H2 von Solution F und GCK zum Einsatz kommt. Pipo Moteurs passte einen WRX-Motor für Wasserstoff an.
Belgische Studierende nehmen Le Mans 2030 ins Visier
Die auffälligste Präsenz war das Hydroteam der KU Leuven. Diese belgischen Studierenden haben den Ehrgeiz, 2030 mit einem Wasserstoff-Rennwagen in Le Mans an den Start zu gehen. Derzeit bauen sie eine Ligier-Barquette um, mit einem Ford-V6 mit 3,5 Litern Hubraum, angepasst auf gasförmigen Wasserstoff. Die ersten Rennen sind für den Sommer 2027 geplant. Der Schritt zu flüssigem Wasserstoff – notwendig für eine echte Le-Mans-Teilnahme – ist technisch deutlich komplexer. Die FIA hat dazu inzwischen ein detailliertes Sicherheitsreglement veröffentlicht, das sowohl die WEC- als auch die WRC-Rallye-Meisterschaft abdeckt.
Verbrennung immer besser im Griff
Bosch Engineering kann den Wasserstoff-Verbrennungsmotor inzwischen in Europa, den USA und China homologieren. Das Unternehmen sieht den Motorsport ausdrücklich als Sprungbrett zur Serienproduktion: Sportwagen, Nutzfahrzeuge und Off-Highway-Maschinen. Die Technologie ist da. Die Infrastruktur noch nicht.
Alpines Hy6-Motor im Alpenglow leistet 800 PS und erreichte im Juni 2025 auf der Hunaudières-Geraden eine Höchstgeschwindigkeit von 313 km/h – mit Potenzial nach oben. Sowohl Alpine als auch Bosch nutzen Wasser, um die Einspritzung zu optimieren. Die Zukunft des Alpenglow bleibt allerdings ungewiss, da sich Alpine am Ende dieser Saison aus der WEC zurückzieht.
Zusammenarbeit als Schlüssel
Alpine plädierte dafür, die Kräfte rund um flüssigen Wasserstoff zu bündeln, um die Kosten zu senken. Phinia deutete mehrere vertrauliche Motorsportprojekte an, die noch nicht öffentlich sind. Und der breite Konsens war eindeutig: Was auf der Rennstrecke gelernt wird, kann morgen im Straßenverkehr und in der Luftfahrt angewendet werden.
Der Wasserstoff-Verbrennungsmotor ist längst kein Experiment mehr. Er ist eine Technologie in voller Entwicklung – und der Motorsport schreibt die Betriebsanleitung.