Daimler Truck, Kawasaki und MB Energy machen Hamburg zum europäischen Importhafen für flüssigen Wasserstoff
Am 11. Mai 2026 unterzeichneten Daimler Truck, das japanische Unternehmen Kawasaki Heavy Industries und der Hamburger Energieversorger MB Energy ein Joint Development Agreement, um gemeinsam eine internationale Lieferkette für flüssigen Wasserstoff nach Europa aufzubauen. Die Unterzeichnung fand während des Hamburger Hafengeburtstags statt – eines der größten Hafenfeste der Welt – und unterstreicht Hamburgs Anspruch, als Energiedrehscheibe für Europa zu dienen. Die Partner streben einen kommerziellen Start der Wasserstofflieferungen in den frühen 2030er-Jahren an.
Was die drei Partner einbringen
Die Rollenverteilung ist klar. Kawasaki Heavy Industries liefert die schwere Infrastruktur: Wasserstoff-Verflüssigungsanlagen, Speichertanks für flüssigen Wasserstoff (LH2) und LH2-Tankschiffe. Das japanische Unternehmen baut derzeit einen Tanker mit 40.000 m³ sowie ein LH2-Terminal in Kawasaki City mit einer Speicherkapazität von 50.000 m³ – eines der größten weltweit. MB Energy, ein Hamburger Energieunternehmen mit über 75 Jahren Erfahrung im Kraftstoffhandel und in der Kraftstofflogistik, bringt das europäische Vertriebsnetz ein. Das Unternehmen besitzt und betreibt dreizehn Tanklagerstandorte in Deutschland, Dänemark und Ungarn und kann seine Tankstellen an den wichtigsten Logistikknotenpunkten zu LH2-Standorten umrüsten. Daimler Truck steht auf der anderen Seite als Abnehmer: Der Hersteller entwickelt Wasserstoff-Lkw, die diesen Kraftstoff in Transportleistung umsetzen.
Warum Hamburg
Hamburg ist der größte Hafen Deutschlands und bereits ein etablierter Knotenpunkt für Schwerindustrie und internationale Logistik. Wenn flüssiger Wasserstoff über diesen Hafen ankommt, lässt er sich über die bestehende Tanklager-, Straßen- und Schieneninfrastruktur weiter ins europäische Hinterland verteilen. Die Wahl knüpft an ein früheres Memorandum of Understanding vom Oktober 2025 an, in dem Daimler Truck, Kawasaki und die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) vereinbart hatten, die Machbarkeit einer europäischen LH2-Importroute zu prüfen. Die neue Vereinbarung überführt diese Pläne in die konkrete Entwicklung.
Warum flüssiger Wasserstoff?
Für den schweren Straßengüterverkehr bietet flüssiger Wasserstoff (LH2) eine deutlich höhere Energiedichte als komprimierter Wasserstoff mit 350 oder 700 bar. Dadurch liefert das gleiche Tankvolumen mehr Kilometer – entscheidend für den Fernverkehr, in dem eine ausreichende Reichweite über den Betriebsablauf bestimmt. Daimler Truck hat das 2023 mit einem GenH2-Prototyp gezeigt, der unter realen Bedingungen 1.047 Kilometer mit einer einzigen Füllung flüssigen Wasserstoffs zurücklegte. Eine Flotte von fünf GenH2-Lkw hat seitdem bei Kunden mehr als 225.000 Kilometer absolviert; eine zweite Testphase läuft aktuell. Ende 2026 will Daimler Truck mit einer Kleinserie von 100 Mercedes-Benz NextGenH2-Lkw starten, die bei Endkunden in den Einsatz gehen. Die industrielle Großserienfertigung von Wasserstoff-Lkw ist für die frühen 2030er-Jahre geplant – genau dann, wenn auch diese Lieferkette betriebsbereit sein soll.
Was das für den Markt bedeutet
Die entscheidende Botschaft liegt im Timing. Daimler Truck betont ausdrücklich, dass die Skalierung von Wasserstoff-Lkw in Europa nur gelingt, wenn eine zuverlässige und wettbewerbsfähige Versorgung mit flüssigem Wasserstoff besteht. Indem die Partner die Lkw-Produktion und die Wasserstoffproduktion an denselben Zeitplan koppeln, umgehen sie das klassische Henne-Ei-Problem des Wasserstoffmarkts: Lkw ohne Versorgung oder Versorgung ohne Abnehmer. Für die europäische Wasserstoffwirtschaft insgesamt ist dies eine der ersten Vereinbarungen, in der sich Lkw-Hersteller, Infrastrukturbauer und Kraftstoffdistributor auf einen gemeinsamen Zeitplan festlegen. Für niederländische Transportunternehmen ist das relevant, weil Hamburg nah liegt und die niederländischen Güterverkehrskorridore direkt daran anschließen.
Quellen:
- Daimler Truck: Pressemitteilung Joint Development Agreement (Mai 2026)
- MB Energy und mynewsdesk.com: ergänzende Pressemitteilung JDA
- HHLA: Pressemitteilung zum früheren MoU (Oktober 2025)
- Hydrogen Central, Storage Terminals Magazine, busplaner.de: ergänzende Berichterstattung