Verteidigungsministerium erhält erste Wasserstoff-Lkw: MAN hTGX für die schwere Arbeit
Das niederländische Verteidigungsministerium macht einen ersten Schritt, um auch den Schwerlastverkehr nachhaltiger zu gestalten. Die Sektion Systeme des Materieellogistiek Commando (MatlogCo) hat drei besondere neue Lkw an das Operationeel Ondersteuningscommando Land (OOCL) übergeben. Es handelt sich um Fahrzeuge des Typs TRK 165kN H2 ICE des Herstellers MAN Truck & Bus – bei MAN als hTGX bekannt.
Ein Verbrennungsmotor, der mit Wasserstoff läuft
Das Besondere an diesen Lkw ist, dass sie keine Brennstoffzelle haben, sondern einen Verbrennungsmotor, der mit Wasserstoff betrieben wird. Im Grunde ist es ein angepasster Benzin- oder Dieselmotor: bei MAN der H45-Motor mit rund 520 PS und 2500 Nm Drehmoment.
Das hat einen praktischen Vorteil. Die Lkw brauchen kein schweres Akkupaket, um nach der Gesetzgebung als emissionsfrei zu gelten, während die Antriebstechnik nahezu identisch mit der eines gewohnten Diesel- oder Benzinfahrzeugs ist. Dadurch ist die Wartung relativ einfach und die Verteidigung baut auf Technik auf, die sich seit Jahren bewährt hat. Weniger Akkugewicht bedeutet außerdem, dass Energie und Nutzlast für die eigentliche Ladung übrig bleiben.
Die Zahlen
Die Fahrzeuge verfügen über Tanks, in die bei einem Druck von 700 bar rund 56 Kilogramm Wasserstoff passen. Damit fährt die Kombination etwa 600 Kilometer, ausgehend von einem Gesamtgewicht von Zugmaschine und Auflieger von 40.000 kg. Das Tanken dauert weniger als eine Viertelstunde – vergleichbar mit Diesel. Nicht ohne Grund wurde der MAN hTGX mit dem internationalen Truck Innovation Award 2025 ausgezeichnet.
Einsatz im Linienverkehr
Als normgebende Stelle für diese Art von Material will das MatlogCo untersuchen, ob die Lkw in den Schwerlastverkehr der Verteidigung passen. Die 210 Regionale Vervoerscompagnie des OOCL wird die Fahrzeuge im sogenannten Linienverkehr einsetzen, für den Transport von Stückgut, Material und Brennstoff. Um sofort starten zu können, übergab das Defensie Brand- en Bedrijfstoffenbedrijf bei der Übergabe direkt Tankkarten, mit denen die Besatzungen an allen Wasserstofftankstellen in den Niederlanden tanken können.
Warum Wasserstoff hier sinnvoll ist
Für schweren und operativen Transport hat Wasserstoff attraktive Eigenschaften. Schnelles Tanken und eine große Reichweite passen zu Fahrten, bei denen Stillstand teuer ist – denn ein Fahrer, der warten muss, wird ebenfalls bezahlt. Außerdem spielt die Netzüberlastung eine Rolle: das Stromnetz ist an vielen Stellen voll, sodass schwere Schnelllader nicht überall ohne Weiteres angeschlossen werden können. Der Vergleich „Strom ist günstiger“ erzählt zudem nicht die ganze Geschichte: für batterieelektrischen Schwerlastverkehr sind Investitionen in Netzanschluss, Verkabelung, Schnelllader und manchmal eigene Speicher und Solarmodule nötig. Wasserstoff belastet das Netz vor allem im Moment des Tankens deutlich weniger.
Neben batterieelektrischen Lösungen zeigt dieses Projekt, dass Wasserstoff eine vollwertige Null-Emissions-Option ist, gerade für die schwersten und anspruchsvollsten Aufgaben. Dass auch die Verteidigung diesen Weg erkundet, unterstreicht, wie breit die Anwendung von Wasserstoff inzwischen reicht.
Quellen:
- MatlogCo / Defensie (LinkedIn, defensie.nl)
- BigTruck – bigtruck.nl
- TTM – ttm.nl
- MAN Truck & Bus – nieuws.man-trucks.nl
- Alles over Waterstof – allesoverwaterstof.nl