Deutsche Wasserstoffförderung für den Schwerlastverkehr mehr als zweifach überzeichnet
Das deutsche Förderprogramm für Wasserstoff im schweren Straßengüterverkehr hat sich als großer Erfolg erwiesen. Für den Topf von 220 Millionen Euro gingen 526 Anträge ein, die zusammen mehr als 455 Millionen Euro an Förderung beantragen. Damit ist das Programm mehr als doppelt überzeichnet und die Nachfrage übersteigt das verfügbare Budget bei Weitem.
So funktioniert das Programm
Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) hat das Programm Anfang 2026 gestartet, umgesetzt wird es von der NOW GmbH. Grundgedanke ist ein kombinierter Ansatz: Antragsteller reichen ein Paket ein, das eine Tankstelle und die dazugehörigen Lkw umfasst. So löst Deutschland das klassische Henne-Ei-Problem. Eine neue Station hat vom ersten Tag an Abnahme, während Transportunternehmen sich auf einen zuverlässigen Tankpunkt verlassen können.
Die Konditionen sind attraktiv:
• Tankstellen: bis zu 50 Prozent der Investitionskosten, maximal 4 Millionen Euro pro Standort
• Fahrzeuge: bis zu 80 Prozent der Mehrkosten gegenüber einem Diesel-Lkw, maximal 3 Millionen Euro pro Antrag
• Förderfähig sind sowohl Brennstoffzellen-Lkw als auch Lkw mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor
• Stationen müssen an AFIR-konformen TEN-V-Korridoren oder städtischen Knoten liegen
Mit dem ursprünglichen Budget peilte Deutschland rund 40 Tankstellen und etwa 400 Fahrzeuge an. Der große Andrang an Anträgen zeigt, dass die Branche bereit ist, diese Zahlen zu erreichen – und mehr.
Warum das wichtig ist
Deutschland spielt als Transitland eine Schlüsselrolle im europäischen Schwerlastverkehr. Ein flächendeckendes Netz von Wasserstofftankstellen entlang der wichtigsten Korridore macht grenzüberschreitenden Wasserstofftransport praktisch machbar – auch für niederländische Transportunternehmen, die Richtung Deutschland und weiter fahren.
Das Programm knüpft an die europäische AFIR-Verordnung an, die die Mitgliedstaaten verpflichtet, ein Grundnetz alternativer Tankinfrastruktur aufzubauen. Wasserstoff ist dabei eine wertvolle Ergänzung zu batterieelektrischen Antrieben: nebeneinander bieten sie eine emissionsfreie Alternative zum Diesel. Für die schwersten und weitesten Fahrten sowie auf Korridoren, wo schnelle Betankung und große Reichweite entscheidend sind, kommt Wasserstoff stark ins Spiel.
Auffällig ist, dass sowohl Brennstoffzellen-Lkw als auch Wasserstoff-Verbrennungsmotoren unter das Programm fallen. Diese breite Technologieoffenheit senkt die Hürde für Transportunternehmen und beschleunigt den Umstieg vom Diesel auf emissionsfreies Fahren.
Wie es weitergeht
Da die Nachfrage das Budget deutlich übersteigt, folgt nun eine wettbewerbliche Auswahl unter den eingereichten Paketen. Das starke Interesse ist ein klares Signal Richtung Berlin: Die Bereitschaft, in Wasserstoff für den Schwerlastverkehr zu investieren, ist vorhanden. Eine Aufstockung des Budgets könnte einen größeren Teil der Anträge bewilligen und den Netzausbau weiter beschleunigen.
Quellen:
• Hydrogen Insight – Companies request more than double the €220m offered in Germany's hydrogen transport subsidy scheme (Juli 2026)
• Fuel Cells Works – Germany's hydrogen truck subsidy was oversubscribed twice over (Juli 2026)
• electrive.com – Germany launches new funding for H2 refuelling stations and trucks (Januar 2026)
• Hydrogen Central / BMV – 220 million euros for hydrogen filling stations and vehicles (Januar 2026)
• Resato Hydrogen / h2-tech.com – Erläuterung der Förderbedingungen (2026)