Erster straßenzugelassener Wasserstoff-Verbrennungstransporter läuft vom Band
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Technologie

Erster straßenzugelassener Wasserstoff-Verbrennungstransporter läuft vom Band

Veröffentlicht am 11-06-2026

Ein vertrauter Transporter – nur eben mit Wasserstoff: Der Kraftstoffsystemspezialist Phinia hat einen Fiat Ducato von Diesel auf einen Wasserstoff-Verbrennungsmotor umgebaut. Laut der University of California, Riverside ist es das erste leichte Nutzfahrzeug mit einem solchen Motor (H2-ICE), das unter den Euro-7-Normen für den Straßenverkehr zugelassen wurde.


Was kann der Transporter?

Phinia hat das System gemeinsam mit Saudi Aramco entwickelt. Es handelt sich um eine Direkteinspritzung: Der Wasserstoff wird erst dann in den Zylinder eingebracht, wenn die Einlassventile geschlossen sind. Das verhindert eine vorzeitige Entflammung im Ansaugkrümmer – ein hartnäckiges Problem älterer Wasserstoffmotoren mit indirekter Einspritzung.


Auf dem Papier leistet der Ducato Vergleichbares wie die Dieselversion: ähnliches Drehmoment und ähnliche Leistung, eine realistische Reichweite von rund 500 Kilometern und Platz für maximal sechs Personen. Phinia beansprucht eine CO2-Reduktion von 99 % am Auspuff gegenüber Diesel.


Unabhängige Prüfung

Diese Angaben werden nun überprüft. Derselbe Transporter wurde Anfang Mai auf der ACT Expo in Las Vegas gezeigt, wo Besucher mitfahren konnten. Danach wurde er von Frankreich aus zum CE-CERT-Forschungszentrum der UC Riverside verschifft, wo Forscher sowohl Labor- als auch Praxistests durchführen. Die Ergebnisse werden in peer-reviewten Fachzeitschriften veröffentlicht. Laut Professor Georgios Karavalakis ist es der erste Test dieser Art in den Vereinigten Staaten.


„Die Technik ist ausgereift“

Laut Karavalakis liegt die Herausforderung nicht beim Motor, sondern woanders: „Die Technik ist ausgereift. Die Hersteller wissen, wie sie diese Motoren und Fahrzeuge bauen müssen. Was wir brauchen, sind die Infrastruktur, der Kraftstoff und bezahlbarer grüner Wasserstoff.“ Er vergleicht die aktuelle Lage des Wasserstoffs mit der des Elektroautos vor etwa fünfzehn Jahren, bevor das Ladenetz mit der Technik Schritt hielt.


Die Zahlen deuten allerdings in die richtige Richtung: Die Produktionskosten für grünen Wasserstoff in den USA sind seit 2020 um etwa 45 % gesunken. Unsubventionierter grüner Wasserstoff kostet dort derzeit noch zwischen 4,50 und 12 Dollar pro Kilo.


Nicht nur Phinia

Phinia steht damit nicht allein. Cummins hat Anfang 2025 seinen 6,7-Liter-Wasserstoffmotor fertiggestellt und ist in Indien in die Produktion gegangen, mit ersten Lieferungen an Tata Motors. Volvo will in diesem Jahr Wasserstoff-Verbrennungs-Lkw auf der Straße testen, JCB setzt H2-Maschinen auf Baustellen in Europa ein und MAN entwickelt eine Wasserstoffvariante seiner schweren TGX-Plattform.


Eine wichtige politische Unterstützung: Unter den 2024 überarbeiteten europäischen CO2-Normen für schwere Fahrzeuge gelten Wasserstoff-Verbrennungsfahrzeuge auf Basis ihrer Auspuffemissionen als emissionsfrei. Damit stehen sie auf einer Stufe mit Brennstoffzellen- und batterieelektrischen Fahrzeugen – was besonders für Anwendungen relevant ist, in denen Batteriegewicht und Ladezeit einschränkend wirken.


Für den Transporter- und Transportsektor zeichnet sich damit neben batterieelektrischen Antrieben ein zweiter Weg zum emissionsfreien Fahren ab. Der Ducato zeigt, dass dieser Weg inzwischen auf die öffentliche Straße darf.


Quellen

  • Hymotive — Phinia converts diesel Ducato into first road-legal hydrogen combustion van (Juni 2026)
  • Phinia / Business Wire — Phinia to Showcase Hydrogen Combustion Innovation at ACT Expo 2026
  • Automotive World — Phinia unveils Euro 7 hydrogen combustion van with Aramco
  • UC Riverside (insideucr.ucr.edu) — Hydrogen combustion van tested at UCR
  • Fuel Cells Works — First Homologated H2ICE LCV
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