HyKit bringt mobile Wasserstoff-Tankeinheit für die Baustelle auf den Markt
Wasserstoff auf der Baustelle scheiterte bisher vor allem an einem Problem: nicht an den Maschinen, sondern an der Betankung. Mit der Markteinführung des MHR-X75, einer mobilen Wasserstoff-Tankeinheit des britischen Unternehmens HyKit, ändert sich das. Das Gerät bringt schnell und zuverlässig Wasserstoff genau dorthin, wo die Maschinen im Einsatz sind.
Eine fahrbare Tankeinheit für Wasserstoff
Diesel kommt schon seit fünfzig Jahren mit einem fahrbaren Kraftstofftank (auf Englisch „Bowser") auf die Baustelle. HyKit überträgt dieses bewährte Prinzip auf Wasserstoff. Der MHR-X75 speichert den Kraftstoff in Druckbehältern innerhalb einer kompakten, auf einem Trailer montierten Einheit, die sich mit Standardgerät wie einem Teleskoplader über das Gelände bewegen lässt.
Die Zahlen: Die Einheit transportiert 75 Kilo Wasserstoff bei 350 bar, eine Betankung dauert etwa 10 bis 15 Minuten. Damit versorgt sie bis zu sieben Fahrzeuge, Generatoren oder Maschinen nacheinander, ohne dass eine feste Tankanlage nötig ist. Laut HyKit wird die Nutzung von Wasserstoff nicht durch die Technik gebremst, sondern durch die fehlende Infrastruktur — und genau das löst diese mobile Lösung.
Teil einer kompletten Kette
HyKit ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Investor HYCAP, der HydraB Group und dem Baumaschinenhersteller JCB. Hinter den Kulissen baut der Unternehmer Jo Bamford eine vollständige Wasserstoffkette auf: von der Produktion von grünem Wasserstoff über den Transport bis hin zur mobilen Tanklösung. JCB hat selbst einen Wasserstoff-Verbrennungsmotor entwickelt, der ähnlich funktioniert wie ein Dieselmotor, was den Umbau bestehender Maschinenkonstruktionen erleichtert.
Im Werk in Bicester werden die Einheiten größtenteils in einem Reinraum gebaut. Wasserstoffmoleküle sind so klein, dass sie durch die kleinste Öffnung entweichen, deshalb wird jedes Bauteil bis auf Mikroebene geprüft. Das Werk hat Kapazität für rund 500 Einheiten pro Jahr, zunächst sind 200 geplant.
„Sonnenlicht verschiffen"
Bamford blickt über die Baustelle hinaus. Er weist darauf hin, dass das Stromnetz in vielen Ländern überlastet ist — und dass die Lieferzeit für ein entscheidendes Bauteil wie eine Turbine inzwischen Jahre beträgt. Neben dem Stromnetz gibt es Gasleitungen und Kraftstofftransport: drei Energienetze, die seiner Ansicht nach alle weiterhin gebraucht werden.
Um grünen Wasserstoff weltweit zu transportieren, setzt er auf grünes Ammoniak — aufgebaut aus Wasserstoff und Stickstoff. Er nennt das treffend „das Verschiffen von Sonnenlicht": In sonnenreichen Regionen wie Oman wird günstige Solarenergie in Ammoniak umgewandelt, das anschließend transportiert werden kann. Sein dortiges Projekt umfasst vier Gigawatt grünes Ammoniak in der Entwicklung. Effizientere Elektrolyseure — von 55 auf 85 Prozent — sollen den Kostenpreis weiter senken.
Nachfrage aufbauen mit Bussen und Leitungen
Eine zuverlässige Kette braucht auch eine stabile Nachfrage. Deshalb konzentriert sich Bamford unter anderem auf Busse: Die halten fünfzehn Jahre und können die ganze Zeit an einem einzigen Standort tanken. Eine Wasserstoffproduktionsanlage wie die in Bradford kostet rund 100 Millionen Pfund, liefert 35 Megawatt und kann etwa 700 Busse versorgen.
Bamfords Botschaft lautet, dass das gesamte System stimmen muss: Energie, Kraftstoff und Infrastruktur zusammen, mit dem Ziel, dass Tanken genauso selbstverständlich wird wie heute. Neben batterieelektrischen Maschinen zeichnet sich so ein zweiter, vollwertiger Weg zum emissionsfreien Bauen ab.
Quellen
- The Construction Index — Hydrogen bowsers and shipping sunlight (Juni 2026)
- JCB — HYKIT launches fully mobile hydrogen refueller MHR-X75
- Fuel Cells Works — HYKIT Mobile Hydrogen Refueller MHR-X75
- Ryze Power / IVT International — HYKIT joint venture und JCB Hydromax