Norwegen skaliert Wasserstoffproduktion und -infrastruktur hoch: sechs große Werke in Vorbereitung
← Zurück zu den News
News #Norwegen

Norwegen skaliert Wasserstoffproduktion und -infrastruktur hoch: sechs große Werke in Vorbereitung

Veröffentlicht am 19-05-2026

Norwegen beginnt, Wasserstoffproduktion und Tankinfrastruktur strukturell miteinander zu verknüpfen. Das sichtbarste Beispiel steht in Hellesylt am Geirangerfjord. Dort eröffnete Ministerpräsident Jonas Gahr Støre im September 2024 den Hellesylt Hydrogen Hub von Norwegian Hydrogen, eine Produktionsanlage, die laut Betreiber bis zu rund 500 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr liefern soll. Neben der Anlage steht die erste Wasserstofftankstelle von Vireon, einer norwegischen Tochter von Norwegian Hydrogen, die auf den Schwerlastverkehr ausgerichtet ist. Damit ist Hellesylt einer der ersten Orte in Norwegen, an dem lokale Produktion und öffentliche Tankinfrastruktur direkt miteinander verbunden sind.


Vergleichbare Initiativen


Ähnliche Kombinationen aus Produktion und Belieferung entstehen auch an anderen Orten. In Trondheim hat der Supermarktdistributor ASKO eine eigene Wasserstoffinfrastruktur für seine Lkw-Flotte aufgebaut. Im nördlich gelegenen Berlevåg arbeiten die Gemeinde und Varanger KraftHydrogen an einem Produktions- und Distributionsprojekt. Der Ansatz ist immer derselbe: eine lokale Produktionsquelle als Ankerpunkt und darum herum Abnehmer aus Transport, Industrie oder maritimem Sektor.


Sechs endgültige Investitionsentscheidungen


Im vergangenen Jahr wurden endgültige Investitionsentscheidungen für sechs norwegische Wasserstoffproduktionsstandorte getroffen. Dabei geht es unter anderem um GreenH (Slagentangen, Kristiansund und Bodø), Hydrogen Solutions (Egersund und Florø) und Norwegian Hydrogen (Rjukan). In Kristiansand bauen Greenstat und Française de l'Energie gemeinsam einen Produktionsstandort, und Å Energi arbeitet in Kongsberg an einem vergleichbaren Projekt. Für den maritimen Sektor – in nahezu all diesen Plänen ein wichtiger Abnehmer – erhielten GreenH (Sola, Rogaland) und Gen2 Energy (Mosjøen, Nordland) im Mai 2026 zusätzlich eine Zuwendung aus der dritten Auktion der European Hydrogen Bank: insgesamt rund 124 Millionen Euro, gleichmäßig auf beide Projekte verteilt. Der operative Start ist für 2031 vorgesehen. Zuvor hatten GreenH (Hammerfest), Gen2 Energy (Mosjøen) und Norwegian Hydrogen (Rjukan) bereits Zuwendungen aus dem EU Innovation Fund erhalten.


Rolle von EU und Enova


Die norwegische Skalierung stützt sich auf eine Kombination europäischer und norwegischer Instrumente. Die Europäische Union finanziert über den Innovation Fund und die Hydrogen Bank, die norwegische Agentur Enova unterstützt Anträge und gewährt zusätzliche Förderung für Produktions- und Tankprojekte. Dieser doppelte Förderrahmen ist ein wichtiger Grund dafür, dass so viele Projekte jetzt gleichzeitig zu einer endgültigen Investitionsentscheidung kommen.


Die Vision von Vireon


In einem LinkedIn-Beitrag erklärt Vireon, der logische nächste Schritt sei, an jedem großen Produktionsstandort auch Tankinfrastruktur zu errichten, damit neben dem maritimen Sektor auch Schwerlastverkehr, Baumaschinen und industrielle Anwendungen bedient werden können. Nach Angaben des Unternehmens stärken mehrere Abnehmer die Auslastung, verbessern die Projektwirtschaftlichkeit und beschleunigen die CO2-Reduktion in verschiedenen Sektoren. Das ist ausdrücklich die Sicht eines Tankstellenbetreibers; norwegische Politik und Förderprogramme richten sich derzeit vor allem auf die maritime Nutzung.


Was das bedeutet


Für die breitere europäische Wasserstofflandschaft ist die norwegische Entwicklung interessant, weil sich dort Produktion, Distribution und Endnutzung offenbar im gleichen Tempo entwickeln. Für Wasserstofffahrer und Transporteure in anderen Teilen Europas ist es vor allem ein Beispiel dafür, was ein koordinierter Ansatz – Produktion an der Quelle, Tankinfrastruktur in der Nähe, ein klarer erster Abnehmer – bewirken kann.


Quellen:

- LinkedIn-Beitrag Vireon (ursprünglicher Post)

- Norwegian Hydrogen: Eröffnung Hellesylt Hydrogen Hub (Sept. 2024)

- Regjeringen.no: Rede von Ministerpräsident Støre in Hellesylt

- Vireon.com: erste Tankstelle Hellesylt

- Enova / Norsk Hydrogenforum: Zuwendungen des EU Innovation Fund für Norwegen

- Gen2 Energy und GreenH: Pressemitteilungen zur EU Hydrogen Bank Auktion (Mai 2026)

Teilen: