Spanien baut sein Wasserstoff-Tankstellennetz in hohem Tempo aus
Spanien wird manchmal als Nachzügler beim Thema Wasserstoff dargestellt. Die Fakten zeichnen ein anderes Bild: Mit europäischer und nationaler Unterstützung liegt inzwischen ein konkreter Plan vor, in den kommenden Jahren ein landesweites Netz von Wasserstoff-Tankstellen aufzubauen.
Wer baut das Netz?
Treibende Kraft ist HVR Energy (Hidrógeno Verde Renovable), ein spanisches Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und den Betrieb von Wasserstoff-Tankstellen für saubere Mobilität konzentriert. HVR arbeitet mit einem modularen, skalierbaren Modell: schlüsselfertige Stationen, die an bestehenden Tankstellen aufgestellt und über ein Leasingmodell angeboten werden, sodass die Betreiber nicht selbst investieren müssen. 2023 eröffnete das Unternehmen seine erste Fabrik für grünen Wasserstoff in Coslada bei Madrid.
Die Zahlen im Kontext
HVR Energy nennt als Unternehmensziel mindestens 55 betriebsbereite Stationen im Jahr 2028 und 75 Stationen im Jahr 2030. Damit positioniert sich das Unternehmen mit einem der ambitioniertesten Wasserstoffpläne Europas. Bislang hat es nach eigenen Angaben mehr als 33 Millionen Euro an öffentlicher und privater Finanzierung eingesammelt.
Wichtig zu wissen: Diese 55 und 75 sind Ziele von HVR selbst, keine offiziell pro Land festgelegte AFIR-Zahl. Denn die europäische AFIR-Verordnung arbeitet nicht mit einer festen Anzahl von Stationen pro Mitgliedstaat, sondern mit Abstandsvorgaben. Ab Ende 2030 muss entlang des TEN-T-Kernnetzes alle 200 Kilometer eine Wasserstoff-Tankstelle stehen, plus mindestens eine in jedem städtischen Knotenpunkt.
Woher kommt das Geld?
Die Finanzierung ist eine Mischung aus europäischen Zuschüssen und nationalen Krediten. Über das europäische CEF-AFIF-Programm wurde HVR ein Zuschuss von 7,6 Millionen Euro zugesprochen. Zusätzlich stellte das spanische Instituto de Crédito Oficial (ICO) eine Finanzierung von 12,75 Millionen Euro für den Aufbau von 30 Stationen bereit – dabei handelt es sich größtenteils um ein Darlehen, nicht um einen Zuschuss. Eine frühere Runde brachte Unterstützung für 20 Stationen.
In der jüngsten CEF-AFIF-Ausschreibung erhielt HVR Unterstützung für 30 der 38 Wasserstoff-Tankstellen, die in ganz Europa bewilligt wurden – ein auffallend großer Anteil für ein einzelnes Unternehmen.
Die eigentliche Herausforderung
Die Diskussion sollte nach Ansicht von HVR nicht länger um die Frage gehen, ob Spanien zu spät beginnt, sondern um die Umsetzung: das Netz tatsächlich zu bauen und in Betrieb zu nehmen und dafür zu sorgen, dass auch Wasserstofffahrzeuge unterwegs sind. Infrastruktur, Fahrzeuge und Industrie müssen im gleichen Tempo mitziehen.
Genau darin liegen die Chancen. Ein flächendeckendes Tanknetz beseitigt eine der größten Hürden für Flottenmanager, die umsteigen wollen. Neben dem batterieelektrischen Fahren entsteht so ein zweiter, vollwertiger Weg zu emissionsfreier Mobilität – besonders für schweren Transport und intensive Nutzung, wo schnelles Tanken und eine große Reichweite zählen.
Quellen
- MobilityPlaza — HVR Energy secures funding to deploy hydrogen stations in Spain (April 2026)
- Fuel Cells Works — HVR Energy Secures €12.75M for 30 Hydrogen Stations in Spain
- Global Hydrogen Review / reNews — HVR Energy ICO funding
- Europäische Kommission (Alternative Fuels Observatory) — AFIR deployment targets
- Hydrogen Central — ICO funds €7M for 20 RGH stations on TEN-T network