Triton EV präsentiert komplettes Wasserstoff-Truck-Line-up: von 5 bis 100 Tonnen, gebaut in Indien
Triton Electric Vehicle (TEV), ein US-amerikanisches Unternehmen mit Hauptsitz in Cherry Hill, New Jersey, und Produktions- sowie F&E-Standorten im indischen Bundesstaat Gujarat, hat seine bislang breiteste Palette an Wasserstofffahrzeugen angekündigt. Dazu gehören fünf Lkw-Varianten, Wasserstoffbusse und Wasserstoff-Dreiräder — allesamt angetrieben von Wasserstoffverbrennungsmotoren (H2-ICE), die in Indien montiert werden.
Von der Stadtlogistik bis zum Bergbau
Die Palette umfasst Lkw mit 5 Tonnen (Stadtlogistik und Last Mile), 10 Tonnen (Regionalverkehr), 25 Tonnen (Industrie- und Überlandverkehr), 55 Tonnen (Fernverkehr) und 100 Tonnen (Bergbau, Bauwesen und Verteidigung). Darüber hinaus präsentiert TEV Wasserstoffbusse für den öffentlichen Nahverkehr sowie Dreiräder für den städtischen Einsatz — eine Fahrzeugkategorie, die in Indien und anderen asiatischen Märkten enorme Stückzahlen erreicht.
Warum ein Wasserstoffverbrennungsmotor?
Auffällig ist, dass Triton sich ausdrücklich für den Wasserstoffverbrennungsmotor (H2-ICE) statt für Brennstoffzellen entscheidet. Laut CEO Himanshu Patel bietet dieser Ansatz niedrigere Anschaffungskosten, eine einfachere Wartung und eine bessere Kompatibilität mit bestehenden Fahrzeugplattformen. Das Prinzip ist bekannt: ein konventioneller Verbrennungsmotor, der so angepasst wurde, dass er Wasserstoff statt Diesel oder Benzin verbrennt. Der Vorteil ist, dass die Technologie auf jahrzehntelanger Motorenerfahrung aufbaut und keine knappen Rohstoffe wie Platin benötigt, die in Brennstoffzellen erforderlich sind.
TEV stellte die erste Version seines H2-ICE im Juli 2024 vor. Der Motor wurde im F&E-Zentrum in Kheda, Gujarat, entwickelt und ist nach Angaben des Unternehmens in Fahrzeugen vom Pkw bis zum schweren Lkw einsetzbar.
Indien als Wasserstoff-Hub
Die Ankündigung fügt sich in eine umfassendere indische Wasserstoffstrategie ein. Die 2023 verabschiedete National Green Hydrogen Mission mit einem Budget von umgerechnet rund 2 Milliarden Euro zielt auf die großflächige Produktion und Anwendung von grünem Wasserstoff. Die Regierung hat inzwischen 37 Wasserstofffahrzeuge und 10 Tankstellen im Rahmen von fünf Pilotprojekten genehmigt und kündigte im Februar 2026 weitere 30 Lkw und Busse an. Indien strebt an, bis 2030 mehr als 1.000 Wasserstoff-Lkw und -Busse auf die Straße zu bringen.
Triton ist nicht der einzige Akteur. Ashok Leyland stellte 2024 gemeinsam mit Reliance Indiens ersten H2-ICE-Lkw für den Schwerlastverkehr vor. Tata Motors liefert Brennstoffzellenbusse an Indian Oil und führt seit Anfang 2025 gemeinsam mit Adani Enterprises Testfahrten mit Wasserstoff-Lkw auf wichtigen Frachtrouten rund um Mumbai, Pune und Delhi durch.
Einschränkungen
Bei der ambitionierten Ankündigung von Triton ist etwas Zurückhaltung angebracht. Das Unternehmen präsentiert ein komplettes Line-up aus fünf Lkw-Varianten plus Bussen und Dreirädern, doch unabhängige Bestätigungen tatsächlicher Produktionszahlen oder Auslieferungen sind bislang rar. Die Produktionsstätte in Bhuj, Gujarat, soll eine Jahreskapazität von 50.000 Lkw haben, unklar bleibt jedoch, wie viele Fahrzeuge tatsächlich produziert und ausgeliefert wurden.
Außerdem verdient die Behauptung, der H2-ICE stoße ausschließlich Wasserdampf aus, eine Anmerkung: Wasserstoffverbrennungsmotoren erzeugen praktisch kein CO2, bei hohen Verbrennungstemperaturen entstehen jedoch geringe Mengen Stickoxide (NOx). Das ist deutlich weniger als bei Diesel, aber nicht vollständig emissionsfrei.
Wasserstoff auf ganzer Breite
Was die Ankündigung jedoch zeigt: Der Wasserstoff-Lkw ist längst kein Konzept mehr, das auf einige wenige westliche Hersteller beschränkt bleibt. Indien baut aktiv ein eigenes Wasserstoff-Ökosystem auf, von Produktion und Verteilung bis hin zum Fahrzeugbau. Der von Triton gewählte H2-ICE-Weg bietet dabei einen pragmatischen Vorteil: niedrigere Einstiegskosten und die Nutzung bestehender Motorenplattformen, wodurch sich die Technologie schneller skalieren lässt — genau das, was in aufstrebenden Märkten gebraucht wird.
Quellen
- LinkedIn-Beitrag Himanshu Patel, CEO Triton Electric Vehicle, Juni 2026
- Electric & Hybrid Vehicle Technology International, 17. Juli 2024 — Triton EV unveils new hydrogen ICE
- Automotive Powertrain Technology International, 17. Juli 2024 — Triton EV launches hydrogen ICE
- Autocar Professional, 16. Februar 2026 — Govt to sanction 30 more hydrogen trucks, buses
- RMI, Februar 2026 — Hydrogen trucking for India: economics, opportunities, and way forward
- Tata Motors, März 2025 — India's first hydrogen truck trials