TU-Delft-Wissenschaftler: Das Wasserstoffauto ist längst nicht abgeschrieben
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Technologie

TU-Delft-Wissenschaftler: Das Wasserstoffauto ist längst nicht abgeschrieben

Veröffentlicht am 27-04-2026

Wasserstoffautos sind tot — so scheint es jedenfalls. Das batterieelektrische Fahren hat mit Subventionen, Ladeinfrastruktur und sinkenden Preisen den Markt weitgehend erobert. Doch Aad Correljé, Energieexperte an der TU Delft, ruft alle zur Zurückhaltung auf. „Die Frage, welche Technologie die optimale ist, ist eigentlich unsinnig", sagt er. „Technologien entwickeln sich nebeneinander und konkurrieren miteinander."


Grüner Wasserstoff: wie funktioniert das?


Correljé erklärt, dass nachhaltiger Wasserstoff in zwei Schritten gewonnen wird. Zuerst wird erneuerbarer Strom erzeugt — aus Wind, Sonne oder Wasserkraft. Dieser Strom wird anschließend per Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt. Das kostet rund 50 kWh pro Kilogramm Wasserstoff, bei einem Energiegehalt von etwa 33 kWh. Der Wirkungsgrad liegt derzeit zwischen 50 und 70 Prozent, könnte sich in Zukunft aber möglicherweise auf 80 Prozent verbessern. Aus diesem Wasserstoff lässt sich über die Sabatier-Reaktion auch synthetisches Methan herstellen — ein zusätzlicher Schritt, der neue Anwendungen außerhalb der Mobilität eröffnet.


Das Henne-Ei-Problem


Die Infrastruktur bleibt ein heikler Punkt. In den Niederlanden gibt es derzeit 23 öffentliche Wasserstofftankstellen, und obwohl 30 neue Tankstellen für den Schwerlastverkehr in Entwicklung sind, hinkt der Ausbau für den Personenverkehr hinterher. Die Ursache ist ein Klassiker: ohne genügend Autos keine Tankstellen, und ohne Tankstellen keine Autos. Correljé sieht dieses Problem klar: „Der frühere Ansatz war etwas verfrüht für ein System und einen Markt, die sich erst noch vollständig entwickeln müssen."


Die niederländische Regierung versucht, das mit der Förderregelung SWiM (Wasserstoff in der Mobilität) zu durchbrechen. 2026 wurde die Regelung um Zuschüsse für mobile Wasserstoffspeicher, Tubetrailer und Arbeitsgeräte erweitert. In den vorherigen Runden 2024 und 2025 erhielten bereits 19 Kooperationsverbände gemeinsam 72 Millionen Euro.


Netzengpässe als unerwartete Chance


Gerade die Probleme mit dem Stromnetz können dem Wasserstoff neuen Schwung geben. Das Aufstellen von Ladesäulen erfordert eine Netzverstärkung — teuer und zeitaufwendig. Correljé: „Netzengpässe werden noch längere Zeit ein Hindernis für einen weiteren, großflächigen Ausbau des elektrischen Fahrens darstellen." Genau in solchen Situationen kann Wasserstoff als Alternative auftauchen, insbesondere für Anwendungen, bei denen elektrisches Laden nicht praktikabel ist: Schwerlastverkehr, Schifffahrt und Luftfahrt.


Nischen wachsen


Correljé erwartet keinen großen Umbruch, wohl aber ein allmähliches Vorrücken: „Ich erwarte, dass Wasserstofflösungen langsam aber sicher in bestimmten Anwendungen an Boden gewinnen werden. Es werden sich Nischen bilden, mit einer passenden Lieferkette, die darauf einsteigt." Sein Rat an Politik und Investoren ist eindeutig: weiter in die Infrastruktur investieren, denn letztlich bestimmen Zufälle und Innovationen die Richtung.


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Quellen:

- Autoblog.nl – Interview mit Aad Correljé, TU Delft (25. April 2026)

- RVO.nl – SWiM Förderregelung 2026

- BOVAG – SWiM startet am 1. April 2026

- Link2fleet – Hat Wasserstoff wirklich eine Zukunft? (April 2026)

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