Twente umgeht Den Haag und bezieht Wasserstoff direkt aus Deutschland
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Twente umgeht Den Haag und bezieht Wasserstoff direkt aus Deutschland

Veröffentlicht am 06-05-2026

Während der landesweite Aufbau eines niederländischen Wasserstoffnetzes ins Stocken gerät, wählt die Region Twente einen pragmatischen Umweg: einen direkten Anschluss an das deutsche Wasserstoffnetz. Damit können Industriebetriebe in Twente schon vor 2030 mit grünem Wasserstoff versorgt werden – rund zehn Jahre früher, als wenn die Region auf das niederländische Netz hätte warten müssen.


Von der Besprechung zur Tat


Die Provinz Overijssel stieß bereits eineinhalb Jahre lang auf Unklarheit aus Den Haag darüber, wann Twente an das nationale Wasserstoffnetz angeschlossen werden würde. Die Pläne für dieses Netz konzentrieren sich nämlich vor allem auf die großen Industriecluster wie Rotterdam und Limburg – Regionen wie Twente drohen dabei vorerst leer auszugehen.


Der zuständige Provinzminister Tijs de Bree (Energiewende) beschloss, das Ruder herumzureißen. Direkt hinter der Grenze bei Nordhorn befindet sich das deutsche Wasserstoffnetz des Netzbetreibers Thyssengas bereits im Bau. Die Lösung: eine T-Abzweigung an dieser Leitung, gekoppelt an eine bestehende Gasleitung von Cogas bei Denekamp. Innerhalb von drei Monaten stand der Deal.


Cogas hat inzwischen einen Vertrag mit Thyssengas über den Bau des Abzweigpunktes unterzeichnet. Die Provinz Overijssel unterstützt das Projekt mit einer Förderung. Der Abzweigpunkt soll voraussichtlich Ende 2027 fertiggestellt werden; die erste tatsächliche Wasserstofflieferung an Twenter Betriebe ist für vor 2030 geplant.


Breites Konsortium, niedrige Kosten


Getragen wird das Projekt von einem umfangreichen niederländisch-deutschen Konsortium aus den Gemeinden Enschede, Almelo, Hengelo und Oldenzaal, der Provinz Overijssel, Oost NL, TECHLAND, H2HUB Twente, Twente Board, Energiestrategie Twente (RES Twente), Thyssengas und Cogas.


Die Kostenvorteile sind auffällig. De Bree schätzt, dass der Bau über Deutschland lediglich rund 300.000 Euro kostet, während die zuvor geschätzten Kosten über das niederländische Netz zwischen 1 und 2 Millionen Euro lagen. Der Grund: Es können bestehende Leitungen genutzt werden, und es ist kein jahrelanges nationales Planungsverfahren nötig.


Wasserstoff für die Schwerindustrie


Wasserstoff ist nach Ansicht der beteiligten Parteien nicht für jeden die Lösung, für bestimmte industrielle Prozesse aber unverzichtbar. Für normale Wohnhäuser genügen Wärmepumpen und Solaranlagen. Doch für Betriebe, die hohe Prozesstemperaturen benötigen – wie die Bäckerei Bolletje in Almelo, die täglich 50.000 Rollen Zwieback bei Temperaturen über 200 Grad backt – ist Wasserstoff eine der wenigen realistischen Alternativen zu Erdgas.


Das Stromnetz bietet für solche Großverbraucher außerdem schlicht keinen Platz: Die benötigte Anschlusskapazität ist nicht verfügbar. Für die Schwerindustrie mit einem überlasteten Stromnetz ist Wasserstoff damit kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.


Sicherheit und Wissen an erster Stelle


Der Umstieg auf Wasserstoff bringt auch neue Fragen mit sich. Wasserstoffmoleküle sind kleiner als Erdgasmoleküle und verhalten sich anders – sie entweichen leichter an Verbindungsstellen, und die Flamme brennenden Wasserstoffs ist tagsüber nahezu unsichtbar. Um Feuerwehr, Rettungskräfte und Betriebe gut vorzubereiten, eröffnet der Twente Safety Campus in Enschede in Kürze HyField: einen neuen Test- und Trainingsstandort für Wasserstoff auf der Technology Base Twente.


Eine Blaupause für andere Regionen?


Das Twenter Modell – regionale Zusammenarbeit über die Grenze hinweg, Nutzung bestehender Infrastruktur, nicht auf nationale Entscheidungen warten – könnte zur Blaupause für andere niederländische Regionen werden, die außerhalb des nationalen Wasserstoffplans liegen. Der Ansatz zeigt, dass die Energiewende auch von unten beschleunigt werden kann.


Quellen:

  • EenVandaag (27.04.2026)
  • Provinz Overijssel
  • Gemeinde Almelo
  • Gemeinde Oldenzaal
  • 1Twente
  • Industrielinqs
  • Oost NL
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