Tyczka Hydrogen eröffnet Wasserstoff-Tankstelle in Schweinfurt – eigene Elektrolyse folgt Ende 2026
Im Hafen von Schweinfurt im Norden Bayerns ist eine neue Wasserstofftankstelle offiziell eröffnet worden. Die Eröffnung fand am 14. Mai 2026 in Anwesenheit des bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger und des neu gewählten Schweinfurter Oberbürgermeisters Ralf Hofmann statt. Betreiber Tyczka Hydrogen, ein Unternehmen der bayerischen Gasspezialistin Tyczka Group, sieht die Station als Knotenpunkt für die Wasserstofflogistik in der Mitte Deutschlands.
Was der Standort bietet
Die Tankstelle ist bemerkenswert gut auf den Schwerverkehr ausgelegt. Die Anlage kann täglich bis zu 1.000 Kilogramm Wasserstoff abgeben und verfügt sowohl über 350-bar- als auch über 700-bar-Anschlüsse. Damit eignet sie sich für schwere Lkw, Busse, Müllfahrzeuge und kommunale Flotten mit 350 bar sowie für Pkw und Transporter mit 700 bar. Die Station ist rund um die Uhr zugänglich. Die Lage im Schweinfurter Hafen ist bewusst gewählt: Das Gelände liegt nah am deutschen Hauptstraßennetz und grenzt an bestehende Industrieaktivitäten an, was sowohl die regionale als auch die Fernlogistik attraktiv macht.
Eigene Elektrolyse für grünen Wasserstoff
Die Tankstelle ist die erste Phase eines größeren Wasserstoff-Hubs, den Tyczka Hydrogen an diesem Standort entwickelt. Neben der Station entsteht eine eigene Elektrolyseanlage mit 5 Megawatt zur Produktion von grünem Wasserstoff. Damit wird die Station direkt mit lokal und aus erneuerbarem Strom erzeugtem Wasserstoff versorgt — das verkürzt die Logistikkette und hilft, die Netzbelastung in Spitzenzeiten zu verringern. Die Produktionsanlage und die zugehörige Abfüllstation für Wasserstofftrailer sollen Ende 2026 in Betrieb gehen. Die Gesamtinvestition in den Hub beträgt mehr als 20 Millionen Euro, davon rund 7 Millionen Euro Förderung aus den bayerischen Programmen für Wasserstofftankstellen und Elektrolyseure.
Wie Tyczka im Markt steht
Tyczka Hydrogen ging aus der hundertjährigen Tyczka Group hervor, die ursprünglich auf Industriegase und Flüssiggas ausgerichtet ist. Das Unternehmen betreibt inzwischen drei eigene Wasserstofftankstellen in Deutschland und hat zwei Elektrolyseure in Planung oder im Bau. Anfang dieses Jahres erhielt es als erstes Unternehmen die CertifHy-Zertifizierung im Rahmen des EU-RFNBO-Programms als Händler und Distributor von grünem Wasserstoff. Im Oktober 2025 übernahm Tyczka die österreichische Wasserstoffsparte der Supermarktkette MPREIS, einschließlich der Elektrolyse und der Tankstelle in Völs (Tirol). Damit deckt das Unternehmen mittlerweile Süddeutschland, Österreich und Teile Norditaliens ab.
Was das bedeutet
Für das deutsche Wasserstoffnetz ist Schweinfurt strategisch: Zwischen dem Ruhrgebiet, Bayern und Sachsen bildet der Standort einen logischen Schritt hin zu einem flächendeckenden Tankstellennetz für den Schwerverkehr. Für niederländische Transportunternehmen ist das relevant, weil der süddeutsche Korridor für Wasserstoff-Lkw, die über den Kontinent fahren, immer besser erreichbar wird. Und die Kombination, für die sich Tyczka entscheidet — Tankstelle und eigene grüne Produktion an einem Standort — ist genau das Modell, das die europäische Wasserstoffwirtschaft braucht, um das Henne-Ei-Problem zu umgehen.
Quellen:
- Tyczka Group: Pressemitteilungen zum Schweinfurt-Hub und zum Spatenstich (Juli 2025) sowie zur Elektrolyse-Ankündigung (Feb. 2025)
- Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft: offizielle Eröffnung (Mai 2026)
- Eurotransport.de und Process.vogel.de: ergänzende Berichterstattung
- Tyczka Hydrogen: Unternehmensüberblick und Meilensteine