Lastwagen mit Wasserstoff aus Drenthe: H2 Hollandia startet Produktion in Nieuw-Buinen
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Lastwagen mit Wasserstoff aus Drenthe: H2 Hollandia startet Produktion in Nieuw-Buinen

Veröffentlicht am 21-04-2026

Im drenthischen Nieuw-Buinen entsteht etwas, das in den Niederlanden seinesgleichen sucht: ein vollständig grünes Wasserstoffprojekt, das direkt an einen der größten Solarparks des Landes gekoppelt ist. Wenn alles nach Plan läuft, fahren im September 2026 die ersten Lkw mit Wasserstoff, der vor Ort aus drenthischem Sonnenschein erzeugt wurde.


Überschüssiger Strom wird zu Kraftstoff


Das Projekt heißt H2 Hollandia und ist eine Initiative von drei Partnern: dem Energieentwickler Novar, dem Bau- und Infrastrukturunternehmen Avitec und dem Projektbüro Repowered. Der Standort ist nicht zufällig gewählt. Neben dem 115-MWp-Solarpark Vloeivelden Hollandia – mit rund 288.000 Solarmodulen auf 100 Hektar ehemaligem Industrie- und Abwassergelände – wird ein 5-MW-PEM-Elektrolyseur gebaut. Dieser spaltet Wasser mithilfe von Solarenergie in Wasserstoff und Sauerstoff auf.


Das Clevere am Konzept ist die direkte Kopplung mit dem Park. An sonnigen Nachmittagen produziert Vloeivelden mehr Strom, als das Stromnetz aufnehmen kann. Dieser überschüssige Strom – im Fachjargon „Curtailment“ – ging bislang verloren. Mit dem Elektrolyseur wird diese Energie nun in grünen Wasserstoff umgewandelt. So wird ein Problem (Netzengpässe) zur Lösung für ein anderes Problem (teurer, grauer Wasserstoff im Schwerlastverkehr).


300 Tonnen pro Jahr, ohne Netzbelastung


Der Elektrolyseur hat eine Kapazität von 5 Megawatt und soll jährlich rund 300.000 Kilogramm – also 300 Tonnen – grünen Wasserstoff produzieren. Damit wird schätzungsweise die Hälfte des derzeitigen Curtailments des Solarparks sinnvoll genutzt. Die Partner prüfen außerdem die Ergänzung um ein Batteriesystem, mit dem der Prozess auch nachts weiterlaufen und die Produktion sogar verdoppelt werden könnte.


Der Wasserstoff wird vor Ort in Tubetrailer gefüllt – speziell ausgerüstete Lkw mit Hochdruck-Gasflaschen – und von dort an Tankstellen und industrielle Abnehmer in Groningen und Drenthe verteilt.


Vom eigenen Fuhrpark in die Region


Avitec, Miteigentümer des Solarparks und Nachbar der Anlage, ist zugleich der erste Abnehmer. Das Unternehmen will seine Traktoren, Radlader und andere schwere Maschinen im Tief- und Infrastrukturbau auf Wasserstoff umstellen. „Wie schön wäre es, Wasserstoff am eigenen Standort zu tanken, erzeugt vom eigenen Solarpark?“, sagte Inhaber Ben Timmermans bereits früher. Doch der Anspruch geht weiter: Auch Kommunen, Transportunternehmen und andere Betriebe in der Region sollen künftig an lokalen Abfüllpunkten tanken können.


Jahrelange Vorbereitung, jetzt endlich sichtbar


H2 Hollandia ist kein Projekt von gestern. Die Machbarkeitsstudie startete bereits 2021. Danach folgten eine Genehmigung, mehrere Fördermittel – darunter eine OWE-Förderung der RVO von über 6,54 Millionen Euro sowie Unterstützung der Provinz Drenthe und von GroenvermogenNL – und eine intensive Phase von Vertragsverhandlungen. Im Januar 2025 wurde die endgültige Investitionsentscheidung (FID) getroffen.


„Es ist super komplex“, sagt Projektdirektor Ruben Burggraaf. „Da kommen viele Verträge zusammen, und es ist eines der ersten Male, dass so etwas in diesem Maßstab passiert. Alle müssen zustimmen, und das kostet Zeit.“ Doch nun steht die Anlage. In dem containerartigen Bau beim Solarpark sind Rohre, Kabel und fünf Elektrolyse-Stacks einsatzbereit. Erster Wasserstoff: Juli 2026. Erste Lkw auf der Straße: September 2026.


Ein Projekt, auf das man stolz sein kann


„Wir sind Vorreiter“, sagt Timmermans. „Und ehrlich gesagt: Ich finde es schon ziemlich stark, dass wir das einfach in Drenthe machen.“


Das Projekt passt zu den größeren Ambitionen des Nordens. Drenthe, Groningen und Friesland wurden gemeinsam als erstes „Hydrogen Valley“ Europas ausgewiesen – eine Region, die die Wasserstoffkette aktiv ausbaut. H2 Hollandia ist dafür ein greifbarer Beweis: kein Versprechen auf dem Papier, sondern eine Anlage im Bau, in einem drenthischen Dorf, die künftig echte Lkw mit echtem grünem Kraftstoff betankt.


Quellen:

• RTV Drenthe / RTV1 – Vrachtwagens rijden straks met waterstof uit Nieuw-Buinen (17. April 2026)

• Novar – Final Investment Decision H2 Hollandia bereikt (6. Januar 2025)

• Avitec – FID H2 Hollandia (6. Januar 2025)

• Change Inc. – Te groot zonnepark levert groene waterstof voor vrachtwagens, tractoren en shovels

• Maakindustrie – Novar en Avitec investeren in groen waterstofproject H2 Hollandia

• GroenvermogenNL / Topsector Energie – Projektseite H2 Hollandia

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