Wasserstoff im Einsatz: Ford Transit-Kipper repariert Schlaglöcher in Oxfordshire
In der englischen Grafschaft Oxfordshire ist ein bemerkenswerter Arbeitswagen in Dienst gestellt worden: ein Ford Transit Kipper, der teilweise mit Wasserstoff fährt und zum Ausbessern von Schlaglöchern eingesetzt wird. Nach eigenen Angaben ist es das erste Wasserstoff-Straßenunterhaltungsfahrzeug bei einer Kommunalverwaltung in England. Ein schönes Beispiel für Wasserstoff, der nicht im Prospekt, sondern ganz konkret auf der Straße im Einsatz ist.
Was fährt da genau?
Es handelt sich um einen 3,5-Tonnen-Ford-Transit mit Kippmulde. Das Fahrzeug bringt Wartungsteams und Material zu Reparatureinsätzen auf rund 3.000 Meilen (knapp 4.800 km) Straßen in der Region. Dabei geht es zum Beispiel um das Schließen von Schlaglöchern und andere kleinere Straßenunterhaltungsarbeiten.
Wasserstoff plus HVO: wie funktioniert das?
Der Wagen wurde zu einem Dual-Fuel-Fahrzeug umgebaut: Er läuft mit einer Kombination aus Wasserstoff und HVO, einem erneuerbaren Dieselersatz auf Basis pflanzlicher Öle. Je nachdem, wie stark das Fahrzeug belastet wird, übernimmt Wasserstoff 30 bis 70 % der Energie. Es ist also keine Brennstoffzelle, sondern ein Verbrennungsmotor, der Wasserstoff mitverbrennt.
Wer steckt dahinter?
Der Versuch ist eine Zusammenarbeit des Oxfordshire County Council mit dem Straßenbauunternehmen M Group, das im Vereinigten Königreich rund 10.000 Fahrzeuge einsetzt. Für M Group ist dies das allererste Wasserstofffahrzeug. Den Umbau hat ULEMCo übernommen, ein Spezialist für die Umrüstung bestehender Fahrzeuge auf Wasserstoff-Dual-Fuel.
Was es bringt
Ehrlich gesagt: Ein Nullemissionsfahrzeug ist das nicht. Aber die CO2-Emissionen aus dem Auspuff sinken im Durchschnitt um 30 bis 40 % gegenüber Diesel, dazu kommt eine Reduzierung der Stickoxide (NOx). Für einen schweren Arbeitswagen, der viel im Einsatz ist, ist das ein deutlicher, unmittelbarer Gewinn.
Clever: umbauen statt neu kaufen
Das Reizvolle an diesem Ansatz: Es ist kein neues Fahrzeug nötig. Ein vorhandener, bewährter Ford Transit wird umgebaut, wodurch der Umstieg schneller und günstiger möglich ist. So kann ein Fuhrpark Schritt für Schritt sauberer werden, ohne alles auf einmal ersetzen zu müssen.
Betankung und wie es weitergeht
Getankt wird über eine mobile HyQube-Tankanlage von Fuel Cell Systems, die sowohl 350 als auch 700 bar bewältigt. Der Versuch läuft seit Juli 2026 und erfasst unter anderem das Fahrverhalten, die Betriebskosten und den Verbrauch. Anfang 2027 soll ein zweites, größeres Fahrzeug hinzukommen. Ratsvorsitzende Liz Leffman verknüpft das Projekt mit dem Ziel der Grafschaft, bis 2030 klimaneutral zu sein.
Warum das interessant ist
Solche Projekte zeigen, dass Wasserstoff schon heute praktisch einsetzbar ist – gerade für schwere und intensiv genutzte Fahrzeuge, die sich schwer vollständig elektrifizieren lassen. Neben batterieelektrischen Antrieben bietet Wasserstoff so einen zusätzlichen, pragmatischen Weg, die Emissionen kommunaler Fuhrparks zu senken – und das beginnt mit konkreten Aufgaben, etwa einem Loch in der Straße.
Quellen
- Hymotive – "New hydrogen Ford Transit tipper fixes potholes in Oxfordshire" (10. Juli 2026)
- Fuel Cells Works – "Oxfordshire introduces first dual fuel hydrogen highways maintenance vehicle" (9. Juli 2026)
- Fleet News – "Dual-fuel hydrogen highways maintenance vehicle joins fleet" (2026)
- ULEMCo – Hydrogen Dual Fuel (Unternehmensinformation)