Wasserstoff in den Rädern: Deutsches Unternehmen löst das Speicherproblem des Wasserstofftraktors
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Technologie #Traktor #tanken

Wasserstoff in den Rädern: Deutsches Unternehmen löst das Speicherproblem des Wasserstofftraktors

Veröffentlicht am 17-04-2026

Wo bringt man in einem Traktor genug Wasserstoff unter, ohne Platz, Balance oder Funktionalität zu opfern? Die Antwort des deutschen Unternehmens Hörmann Vehicle Engineering ist so naheliegend wie überraschend: in den Rädern selbst. Das Unternehmen hat ein Konzept vorgestellt, bei dem ringförmige Carbonfaser-Tanks direkt in die Hinterradfelgen integriert werden. Die Tanks arbeiten mit 700 bar und können zusammen bis zu 42 Kilogramm Wasserstoff speichern — nutzbare Energie, die in etwa 200 Litern Diesel entspricht.


Das Speicherproblem


Die Energiedichte von Wasserstoff ist selbst unter hohem Druck deutlich niedriger als die von Diesel. Damit wird der physische Speicherplatz auf einer Landmaschine zu einem begrenzenden Faktor, der bei konventionellem Kraftstoff einfach keine Rolle spielt. Der Fendt Helios — der Wasserstofftraktor, den Fendt/AGCO im Rahmen des vom Land Niedersachsen finanzierten Projekts H2Agrar entwickelt hat — verdeutlicht dieses Problem. Dieser Traktor fährt mit fünf auf dem Dach montierten Tanks, jeder mit einer Kapazität von 4,2 Kilogramm bei 700 bar. Zusammen ergeben sie 21 Kilogramm Wasserstoff, was für 5 bis 8 Stunden Feldarbeit pro Betankung reicht. Das ist praktikabel, aber bei intensivem Einsatz nicht ausreichend für einen ganzen Arbeitstag.


Das H2Agrar-Projekt — im Februar 2021 mit rund 7,6 Millionen Euro Förderung aus Niedersachsen gestartet — ist Deutschlands erste durchgängige Demonstration von Wasserstoff in der Landwirtschaft. Der grüne Wasserstoff wird über zwei Elektrolyseure mit je 1 MW erzeugt, gespeist von einem lokalen Windpark mit 16 Anlagen bei Haren. Die Fendt Helios-Traktoren sind inzwischen als Teil laufender Forschung auf echten Bauernhöfen im Emsland im Einsatz.


Die Lösung: das Rad als Speicher


Hörmann Vehicle Engineering geht das Speicherproblem von einer anderen Seite an. Große Landwirtschaftsräder sind robuste Konstruktionen mit erheblichem Innenvolumen, das derzeit keine andere Funktion hat als mechanische und strukturelle Abstützung. Indem dieses Volumen in funktionale Speicherkapazität umgewandelt wird, nutzt man Raum, der normalerweise ungenutzt bleibt.


Die ringförmigen Tanks bestehen aus Carbonfaser-Verbundwerkstoff und werden in die Hinterfelgen eingebaut. Sie arbeiten mit 700 bar und speichern zusammen bis zu 42 Kilogramm Wasserstoff — doppelt so viel wie die Dachlösung des Fendt Helios. Das sollte für einen kompletten Arbeitstag ohne Nachtanken genügen, womit der Wasserstofftraktor der praktischen Einsatzfähigkeit eines Dieselaggregats deutlich näher kommt.


Ein zusätzlicher Vorteil ist die Gewichtsverteilung: Wird der Kraftstoff nahe an den Achsen statt auf dem Dach untergebracht, verbessert sich die Balance der Maschine auf unebenem Untergrund. Das Konzept ist modular und sowohl mit Wasserstoff-Verbrennungsmotoren (H2-ICE) als auch mit Brennstoffzellen-Antriebsstängen kompatibel, sodass Hersteller es einsetzen können, ohne die gesamte Traktorarchitektur neu entwerfen zu müssen.


Noch nicht über das Reißbrett hinaus?


Wichtiger Vorbehalt: Ob das Konzept die Prototypenphase erreicht hat, ist auf Basis der verfügbaren Quellen nicht bestätigt. Die technischen Herausforderungen sind real: Jedes Speichersystem in einem sich drehenden Rad muss die Wasserstoffübertragung, die Druckintegrität unter mechanischer Belastung und sichere Tankzugangspunkte gewährleisten. Hörmann hat angegeben, an Lösungen für Haltbarkeit und Sicherheit zu arbeiten — einschließlich thermischer Sicherheitsventile und Aufprallsensoren — weitere Validierungsdaten sind jedoch noch nicht veröffentlicht.


Landwirtschaft als unterschätztes Nachhaltigkeitsthema


Landmaschinen sind für rund 8,5 Prozent der gesamten Emissionen im deutschen Agrarsektor verantwortlich. Das klingt bescheiden, bedeutet aber angesichts des Umfangs der europäischen Agrarproduktion ein großes Volumen. Batterieelektrisch ist für schwere Feldarbeit wegen Gewicht und Ladezeit keine realistische Option. Wasserstoff ist in diesen Bereichen der aussichtsreichste alternative Antrieb — vorausgesetzt, die Speicherung wird praktikabel genug. Genau dieses Problem versucht Hörmann zu lösen.


Quellen:

- Hörmann Vehicle Engineering / AgInsights (04.04.2026): https://www.aginsights.blog/hormann-introduces-new-wheel-integrated-hydrogen-storage-system-to-deliver-full-day-tractor-autonomy-without-chassis-redesign/

- Daily Galaxy / Fuel Cells Works (03.04.2026): https://dailygalaxy.com/2026/04/germany-made-tractor-hydrogen-wheel-storage/

- Fendt H2Agrar (offiziell): https://www.fendt.com/int/h2-fendt-helios-tractor-on-display-as-part-of-german-hydrogen-week-2024

- H2-Mobile.fr (11.04.2026): https://www.h2-mobile.fr/actus/reservoirs-hydrogene-roues-tracteurs-non-routiers/

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